Wer muss wann warum untersucht werden und ist das eigentlich eine "Untersuchung"?

  1. Die erste Frage wird zur Hauptsache hier beantwortet, nämlich bei welchen Gefährdungen am Arbeitsplatz welche Vorsorge stattfindet.
  2. Weiter gibt es gesetzlich vorgeschriebene Untersuchungen, die hier beschrieben werden.
  3. Kann jeder Betrieb natürlich festlegen, welche Voraussetzungen zur Aufnahme einer Tätigkeit erfüllt sein müssen und den Betriebsarzt damit beauftragen. Auch das wird in der vorgenannten Veröffentlichung der DGUV erläutert.

Ob die Überwachung der Fristen der Untersuchungen gar vom Betriebsarzt übernommen werden sollen oder können, hat eine Kollegin gerade wunderbar ausgeführt:

"Das Führen der Vorsorgekartei durch den Betriebsarzt ist auf Grund fehlender Informationen für ihn gar nicht möglich, ich bekomme nicht mit wenn Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz wechseln, wenn Mitarbeitende neu eingestellt werden, wenn sich Arbeitsabläufe ändern usw.

Weil das so ist, ist in der Regel die unmittelbare Führungskraft in der Verantwortung Vorsorgeanlässe zu bemerken und zumindest der Person zu melden, die die Vorsorge im Unternehmen organisiert.

In einem von mit betreuten Großunternehmen ist es die fest angestellte Krankenschwester des betriebsärztlichen Dienstes. Die Vorsorgekartei befindet sich physisch dann auch dort und nicht in der jeweiligen Abteilung oder in den Räumlichkeiten der Personalabteilung.

Die Meldekette klappt natürlich nicht lückenlos, umso wichtiger ist es immer wieder klar zu kommunizieren (in der ASA, bei Begehungen der Bereiche usw.) wo die Verantwortlichkeiten liegen, warum sie da liegen, wo sie liegen und immer wieder den zeitnahen Informationsfluss von den Führungskräften zur Betriebskrankenschwester einzufordern.

Als Grund gebe ich an, dass die Mitarbeitenden, bevor sie mit potentiell gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten betraut werden, die Möglichkeit bekommen sollen, alle Informationen zu erhalten, wie sie sich optimal an ihrem Arbeitsplatz schützen können. Bei geringer Gefährdung als Angebot, bei hoher Gefährdung als Pflichtinformation.

Meistens muss ich dann weiter ausholen und erklären warum am Anfang die Gefährdungsbeurteilung durch die Vorgesetzten steht, die Klärung ob durch technische, organisatorische, persönliche Schutzmaßnahmen die Gefährdung reduziert werden kann und sich erst ganz am Schluss die Frage des Vorsorgeanlasses stellt.

Ziel des Arbeitsschutzes wäre es, gar keinen Vorsorgeanlass zu haben.

Manchmal nenne ich in diesem Zusammenhang die Vorsorge des Prä-ArbMedVV Zeitalters, mit starker Betonung des Untersuchungsanteiles, auch 'Spätsorge' um den im Vordergrund stehenden Präventionsgedanken zu verdeutlichen."

 

Leicht modifiziertes Zitat eines Blogbeitrages am 15.9.21 von
 
Dr. Alexandra Rollett-Mohammadian
Fachärztin für Arbeitsmedizin
Zentrum für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit e.V.
Bielefeld